Gesundheitsuntersuchungen vor dem Deckakt: HD, ED, Augen und Gentests beim Hund
6 Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · Hunde
Welche Untersuchungen Hündin und Deckrüde vor dem Deckakt brauchen, wann sie fällig sind und wie Sie die Ergebnisse lesen. Ein Leitfaden zu HD, ED, ECVO-Augenbefund, Gentests und rassespezifischen Untersuchungen.
Bevor Sie einen Deckakt planen, sollten Sie über beide Elterntiere so viel wie möglich wissen. Gesundheitsuntersuchungen garantieren keinen gesunden Wurf, senken aber deutlich das Risiko, erkennbare Erkrankungen weiterzugeben. Viele Rassezuchtvereine im VDH setzen einen Teil dieser Befunde als Voraussetzung für die Zuchtzulassung voraus, und viele Welpeninteressenten fragen vor der Reservierung danach. Hier finden Sie einen Überblick über Gelenke, Augen, Gentests und rassespezifische Untersuchungen.
Hüft- und Ellbogendysplasie (HD und ED)
Dysplasie ist eine Entwicklungsstörung des Gelenks mit polygener Grundlage, die zusätzlich von Umweltfaktoren wie Fütterung und Bewegung im Wachstum beeinflusst wird. Deshalb gibt es dafür keinen einzelnen Gentest. Grundlage ist ein Röntgenbild, das nach festgelegten Regeln angefertigt und von einer anerkannten Begutachtungsstelle ausgewertet wird.
Hüftbewertung (HD) nach FCI
- A – keine Anzeichen für HD (HD-frei),
- B – Übergangsform (Verdachtsfall),
- C – leichte HD,
- D – mittlere HD,
- E – schwere HD.
Manche Vereine unterteilen die Grade noch feiner, etwa in A1 und A2.
Ellbogenbewertung (ED)
Die Ellbogen werden in der Regel in den Graden 0, 1, 2 und 3 beurteilt, wobei 0 für „ED-frei“ und 3 für fortgeschrittene Veränderungen steht. Einige Systeme kennen zusätzlich einen Grenzfall.
Geröntgt wird meist frühestens ab einem Alter von 12 Monaten, bei großen und sehr großen Rassen häufig erst ab 18 Monaten. Der Hund wird dafür in der Regel sediert, damit die Gelenke korrekt gelagert werden können. Die Identität wird anhand des Mikrochips überprüft. Welche Ergebnisse zur Zucht zugelassen sind, hängt von Rasse und Zuchtordnung ab – in manchen Rassen sind nur A oder B erlaubt, in anderen auch C, teils mit Auflagen. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben in der Zuchtordnung Ihres Vereins.
Augenuntersuchung nach ECVO
Die Untersuchung auf erbliche Augenerkrankungen führen dafür zugelassene tierärztliche Augenspezialisten nach dem Protokoll des ECVO (European College of Veterinary Ophthalmologists) durch. In Deutschland sind das häufig Mitglieder des Dortmunder Kreises (DOK). Das Ergebnis wird auf einem standardisierten Formular festgehalten, das meist etwa ein Jahr gültig ist. In vielen Rassen wird die Untersuchung deshalb während der gesamten Zuchtverwendung regelmäßig wiederholt.
Untersucht wird unter anderem auf:
- progressive Retinaatrophie (PRA),
- erbliche Katarakt (Grauer Star),
- Collie Eye Anomaly (CEA),
- Retinadysplasie und persistierende Pupillarmembran (PPM),
- Lidfehlstellungen wie Entropium und Ektropium.
Bei einigen Rassen kommt eine Gonioskopie hinzu, also die Beurteilung des Kammerwinkels, die mit dem Glaukomrisiko zusammenhängt. Manche Augenerkrankungen zeigen sich erst bei älteren Hunden – eine einzige Untersuchung vor dem ersten Deckakt reicht deshalb nicht aus.
Gentests – Beispiele für verschiedene Rassen
Gentests weisen bestimmte Mutationen nach, die Erkrankungen meist rezessiv vererben. Benötigt wird ein Backenabstrich oder eine Blutprobe, und der Test muss nur einmal im Leben des Hundes gemacht werden. Beispiele für häufig durchgeführte Tests:
| Test | Beispielrassen |
|---|---|
| prcd-PRA (eine Form der Netzhautdegeneration) | Labrador Retriever, Pudel, English Cocker Spaniel |
| CEA (Collie Eye Anomaly) | Collie, Border Collie, Sheltie |
| MDR1 (Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Arzneimitteln) | Collie, Australian Shepherd, Sheltie |
| DM (Degenerative Myelopathie) | Deutscher Schäferhund, Welsh Corgi Pembroke, Boxer |
| EIC (belastungsinduzierter Kollaps) | Labrador Retriever |
| PLL (primäre Linsenluxation) | Terrier, z. B. Jack Russell Terrier |
| vWD Typ 1 (Von-Willebrand-Krankheit) | Dobermann |
Welche Tests für Ihre Rasse empfohlen oder vorgeschrieben sind, klären Sie am besten mit Ihrem Rassezuchtverein. Achten Sie darauf, dass die Probe mit Identitätsnachweis (Chipkontrolle) entnommen wird. Denken Sie außerdem daran: Das Ergebnis „frei“ (clear) bezieht sich nur auf die getestete Mutation. Ein prcd-PRA-freier Hund kann an einer anderen PRA-Form erkranken – Gentests ersetzen die Augenuntersuchung nicht.
Herz, Patella und BOAS – Untersuchungen bei bestimmten Rassen
In einigen Rassen gehören weitere Untersuchungen zum Standard:
- Herz – Abhören und bei prädisponierten Rassen eine Herzultraschalluntersuchung (Echokardiografie). Beim Dobermann werden zur Früherkennung der dilatativen Kardiomyopathie meist jährliche Herzultraschall- und Holter-Untersuchungen (Langzeit-EKG) empfohlen. Beim Cavalier King Charles Spaniel steht die degenerative Mitralklappenerkrankung im Vordergrund, beim Boxer zusätzlich Herzrhythmusstörungen.
- Patella – die Patellaluxation wird bei einer orthopädischen Untersuchung beurteilt, meist in Graden von 0 (frei) bis 4. Betroffen sind vor allem kleine und Zwergrassen, etwa Yorkshire Terrier, Zwergspitz oder Chihuahua.
- BOAS – das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom bei kurzköpfigen Rassen. Eine Funktionsbewertung der Atmung, häufig nach dem an der Universität Cambridge entwickelten Schema, wird bei Mops, Französischer und Englischer Bulldogge immer häufiger durchgeführt.
Die Bewertung der Befunde und die Entscheidung, ob ein Hund zuchttauglich ist, liegen bei Ihrer Tierärztin bzw. Ihrem Tierarzt und den Regeln Ihres Vereins.
Wann welche Untersuchung?
Ein gut geplanter Untersuchungskalender erspart Ihnen Stress kurz vor der Läufigkeit Ihrer Hündin:
- Gentests – in jedem Alter möglich, sogar schon bei Welpen.
- HD und ED – nach Erreichen des Mindestalters Ihrer Rasse, in der Regel vor der Zuchttauglichkeitsprüfung bzw. Zuchtzulassung.
- Augen – vor dem ersten Deckakt und danach regelmäßig, meist jährlich oder nach den Vorgaben Ihres Vereins.
- Herz und andere rassespezifische Untersuchungen – nach dem Gesundheitsprogramm der Rasse, oft mit Wiederholungen in den Folgejahren.
Prüfen Sie auch die Befunde des Deckrüden, bevor Sie den Deckakt vereinbaren. Seriöse Rüdenbesitzer zeigen Ihnen gern die aktuellen Bescheinigungen.
Träger × frei – so werden rezessive Erkrankungen vererbt
Die meisten per Gentest erfassten Erkrankungen werden autosomal-rezessiv vererbt. Ein betroffener Hund trägt zwei Kopien der Mutation, ein Träger eine, ein freier Hund keine. Träger erkranken in der Regel nicht selbst, geben die Mutation aber an ihre Nachkommen weiter. Statistisch gilt für jeden einzelnen Welpen:
- frei × frei – alle Welpen frei,
- Träger × frei – ca. 50 % frei und 50 % Träger, keine betroffenen Welpen,
- betroffen × frei – alle Welpen Träger, keine betroffenen Welpen,
- Träger × Träger – ca. 25 % frei, 50 % Träger und 25 % betroffen.
Ein Träger muss also nicht automatisch aus der Zucht ausgeschlossen werden. Die Verpaarung mit einem freien Partner bringt keine erkrankten Welpen hervor, und der Ausschluss aller Träger könnte gerade in kleinen Populationen den Genpool unnötig verengen. Die Welpen aus einem solchen Wurf sollten getestet und die Käufer über ihren Status informiert werden. Für Erkrankungen mit anderem Erbgang, etwa dominant, gelten andere Regeln. Besprechen Sie die Details mit Ihrer Tierärztin bzw. Ihrem Tierarzt oder dem Labor.
Unterlagen sicher aufbewahren
Untersuchungsergebnisse sind Teil Ihrer Zuchtgeschichte. Bewahren Sie Originalbescheinigungen und Scans an einem Ort auf, notieren Sie Untersuchungsdatum und Gültigkeitsdauer (zum Beispiel beim Augenbefund) und achten Sie darauf, dass jeder Befund dem richtigen Hund zugeordnet ist. Die Chipnummer auf den Bescheinigungen gehört in die Unterlagen für Verein und Welpenkäufer – veröffentlichen Sie sie nicht in Anzeigen oder auf Ihrer Zwinger-Website.
Häufige Fragen
Darf ein Hund mit HD C in der Zucht eingesetzt werden?
Das hängt von Rasse und Zuchtordnung ab. In manchen Rassen ist HD C zulässig, teilweise nur in Verpaarung mit einem Partner mit HD A oder B, in anderen führt es zum Zuchtausschluss. Maßgeblich sind die aktuellen Regeln Ihres Rassezuchtvereins.
Reicht der Gentest der Eltern, damit die Welpen nicht getestet werden müssen?
Sind beide Elterntiere nachweislich frei, sind auch die Welpen frei von dieser Mutation und werden oft als „frei durch Abstammung“ (hereditary clear) bezeichnet. Ist ein Elternteil Träger, müssen die Welpen getestet werden, um ihren Status zu kennen.
Wie oft sollte die Augenuntersuchung wiederholt werden?
Meist etwa alle 12 Monate während der gesamten Zuchtverwendung, weil sich manche Augenerkrankungen erst mit dem Alter zeigen. Die genauen Vorgaben legt Ihr Verein fest.
In BreedManager tragen Sie die Untersuchungsergebnisse jedes Hundes in seine Gesundheitskarte ein und erhalten E-Mail-Erinnerungen, bevor etwa die nächste Augen- oder Herzuntersuchung fällig ist. Bescheinigungen und Scans legen Sie in der Dokumentenmappe des jeweiligen Tieres ab. Für die Zuchtplanung helfen Ihnen der Läufigkeitskalender mit dem voraussichtlichen Wurftermin, die Ahnentafeln und der Inzuchtkoeffizient (COI) – und nach der Geburt dokumentieren Sie den Wurf samt Gewichtskurven der Welpen.
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